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Safien Valendas
Versam Geschichte der Kirche Valendas: So wie sich der Bau der Valendaser Kirche heute darstellt, stammt sie aus dem Jahre 1481. Allerdings stand schon viel länger eine Kirche an diesem Platz, wie die archäologischen Grabungen anlässlich der Renovation von 1975 bewiesen. Seit 1481 allein sind schon mehr als 500 Jahre vergangen. Das ist eine lange Zeit. Viele Generationen von Valendasern haben dieses Gebäude in guten und schweren Zeiten benützt. Stellen sie sich vor, was es schon alles überdauert hat. Was könnte uns diese Kirche erzählen! ![]() Aber sie könnte es nicht nur in einem übertragenen Sinne. Sie tut es auch tat- sächlich mit vielen Einzelheiten, die im Laufe der Jahrhunderte zum Gebäude hinzukamen. 1481, das war noch die Zeit vor der Reformation. Die Kirche war also eine katholische Kirche. In der Mitte des Chor wird der Hochaltar gestanden haben, an den beiden Seitenwänden zum Chor hin vielleicht zwei Nebenaltäre. Der Raum, in dem sich heute das Gemeindearchiv befindet, war wohl die Sakristei, in der nach der Überlieferung zugleich ein Schrank mit Dokumenten der Gemeinde stand. Aus jener Zeit stammt noch die älteste Glocke, die sich im Turm befindet. Die Valendaser haben sie vermutlich 1447 von den Laaxern im Tausch um ihren Anteil an der Alp Nagiens bekommen. Ihre Inschrift lautet: "0 rex celestis glorie veni nobis cum pace". (0 himmlischer König, komm zu uns mit deinem Frieden.) Von der Zeit vor der Reformation zeugen auch die drei Glasfenster, die bis 1913 im Chor der Kirche hingen. Sie stellen den heiligen Blasius, den Kirchenpatron, die heilige Barbara und die heilige Katharina dar. Alles, was sonst zur katholischen Zeit gehörte, ist heute verschwunden. Sehr früh, vielleicht schon 1523 reinigten die Valendaser ihre Kirche bis auf jene Glasfenster von allem, was an den katholischen Gottesdienst erinnerte. Als Zeugnis dieses "Bildersturms" findet sich im Gemeindearchiv der Entscheid eines Schiedsgerichtes, das auf eine Klage des ehemaligen katholischen Pfarrers von Valendas hin die Valendaser zu einer Entschädigung an ihn verpflichteten, da sie zum Teil sein Eigentum vernichtet hätten, nämlich Tafeln, Bilder, Schellen, Bücher, Messgewänder und Altardecken. An die Zeit der Reformation erinnern auch zwei Holzbecher, die als Abendmahls- becher dienten. Wie es Zwingli in Zürich hielt, sollte auch hier aller Prunk abgeschafft und nur ganz einfache Geräte verwendet werden. In das Jahrhundert der Reformation, in das 16. Jahrhundert, fällt ein ganz einschneidendes Ereignis für die Gemeinde: 1594 starben laut der Pestinschrift rechts neben der Eingangstür 430 Personen aus der Gemeinde, wobei damals Versam selbstverständlich zur Gemeinde gehörte. Sie umfasste vorher etwa 600 Einwohner. Am Ende der Pestzeit waren es also noch etwa 170. Stellen Sie sich vor, was das bedeutete. Im selben Jahr 1594 wurde die Kanzelbibel, eine Lutherübersetzung, gedruckt, die sich heute noch im Gemeindearchiv befindet. Das 17. Jahrhundert war eine schwierige Zeit, die Zeit des Dreissigjährigen Krieges in Deutschland, der Bündner Wirren hier. In ihrem Zusammenhang fand 1622 die Schlacht bei Prada statt, das Dorf wurde einmal angezündet und in der Kirche der Schrank mit den Gemeindedokumenten erbrochen und die Dokumente zerstört. Nach der Ueberlieferung sei die Kirche nur deshalb nicht auch angezündet worden, weil immer noch die drei Bilder der Heiligen in ihr hingen. Aber auch diese Jahre vergingen. Die Angst, der Gegenreformation zu erliegen, wieder katholisch werden zu müssen, war vorbei. Da schenkte Rageth Nuttli 1659 der Kirchgemeinde zwei Abendmahlsbecher aus Silber und Gold und zwei Brotteller aus Zinn. Diese Becher und Teller waren noch neu, als Rageth Schucan als Pfarrer nach Valendas gewählt wurde. Er kam im Jahre 1677 und begann mit diesem Jahr das älteste heute noch erhaltene Kirchenbuch der Gemeinde, das Register aller Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, später auch der Konfirmationen. Seither bis auf den heutigen Tag sind so alle Generationen der Einwohner von Valendas aufgezeichnet. Auf diesen Pfarrer geht auch die Inschrift am Eingang zum Friedhof zurück: "Anno Domini 1684. Cum Deo ambu1are est an imam servare. Beati pedes qui visitant Christi aedes." (Im Jahre des Herrn 1684. Mit Gott wandeln heisst, die Seele bewahren. Glücklich, die das Haus Christi besuchen.) In seiner Amtszeit wurden auch die beiden andern Glocken gegossen, die grösste 1701 in Valendas selber, wie die Inschrift auf der Glocke angibt. Im weitern lautet sie: "Wenn ihr höret mein Getön sollt Ihr fleissig zur Kirche gehn und anhören Gottes Wort zu Euwerem Heil hier und dort." An das 18. Jahrhundert, den Reichtum und die Bedeutung, die Valendas zu dieser Zeit durch die Einwanderung von Patrizierfamilien erhalten hatte, erinnert zunächst die Orgel. Sie wurde, wie die Inschrift auf dem bogenförmigen Band auf dem Prospekt bezeugt, von Johann Peter von Marchion der Gemeinde geschenkt. Die Inschrift ist lateinisch und lautet: "lnstitutor et Donator huius organi est fortis ac strenuus Johannes Petrus a Marchione.“ Die hervorgehobenen Buchstaben sind mit Goldfarbe gemahlt und ergeben, als lateinische Zahlen zusammengezählt, das Jahr der Schenkung: 1737. Drei Jahre später, 1740, erhielt die Kirche auch eine neue Kanzel. Sie stand wohl ursprünglich auf der anderen Seite des Choreingangs, weshalb heute die Jahreszahl etwas verdeckt ist. Aus jener Zeit stammt ein Gesangbuch, das sich im Archiv befindet. Es heisst: "Die Psalmen Davids durch D. Ambrosius Lobwasser in teutsche Reimen gebracht". Es enthält die Uebersetzung aller 150 Psalmen mit Melodien. Dazu kommt ein Anhang mit Gebeten für alle Gelegenheiten. Auf dem Vorsatzblatt des Buches steht eine Widmung: "Dieses Psalmen Buch hab ich Fida Töntz meiner ehren und liebwerten Gotte Anna Jenaly von Valendas zu einem neuen Jahr gegeben. 1762 den 1. Jenner. Gott verleihe ihr Glick, Gnad, Heil und Segen, dass Sie darin möge singen Gott zu Ehren, Ihr zum Heil und zur Seligkeit. Amen. Gottes Furcht ist die höchste Tugend, ziert das Alter und die Jugend." 1750 wurde durch ein Geschenk das Abendmahlsgeschirr komplettiert. Die Gemeinde erhielt drei Weinkannen aus Zinn ebenfalls von einem Angehörigen der Familie Nutli. Als bei der Renovation von 1911 die drei alten Glasfenster verkauft wurden, schaffte die Gemeinde drei neue an, die heute die Chorfenster schmücken. Sie zeigen Szenen aus den Evangelien. Die bisher letzte Schenkung an unsere Kirche ist der Engel, der seit einigen Jahren die Orgel schmückt. So erzählt unsere Kirche von der Vergangenheit und erinnert uns daran, dass wir in einer langen Reihe von Generationen stehen, ein Glied in der Kette dar Tradition darstellen, die wir nun heute weiterzureichen haben. Beitrag in der Töndala Nr. 68 vom 7. September 1984 von Rene A. Bachofen, Pfarrer in Valendas
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